Wenn Führung sich entscheidet, zu führen

Sie ist in aller Munde, die Arbeitswelt 4.0, die uns mit den Veränderungen im digitalen Zeitalter in Atem hält. Nicht alleine die Technologien, ihr sinnvoller Einsatz und angemessener Umgang, sondern auch der Einfluss all dessen auf das tägliche Arbeiten tragen dazu bei. Auch explizit die Frage danach, wie sich Führungskräfte in diesen schnelllebigen, unvorhersagbaren, komplexen und mehrdeutigen Zeiten, der so genannten VUCA Welt, grundsätzlich finden und positionieren können. Denn von der Brücke eines Schiffes ergibt sich ein ganz anderes Bild von der Seetauglichkeit des Gefährtes, als wenn die Mannschaft gefragt wird. Und das ist der Unterschied zu früheren Zeiten: Heute will die Mannschaft nicht nur gefragt werden, sich einbringen, mitdenken; es ist angesichts der Rasanz, der fachlichen Spezifikation, der Globalisierung und der konkurrierenden Märkte sinnvoll, wenn nicht sogar notwendig, die Mannschaft immer mal wieder auf die Brücke zu holen und im Gegenzug dazu, als Führungskraft immer wieder bis in den untersten Maschinenraum zu steigen und hier wie dort Gespräche zu führen.


Es mag angesichts der oben beschriebenen Zeiten irritieren, dass das Top Down Prinzip von Führung, bei dem Mitarbeitende ausschliesslich Anweisungen empfangen und ausführen, heute noch verbreitet ist. Und es mag Betriebe und auch Mitarbeitende geben, für die genau das stimmig und passend ist. Die Mehrheit der Organisationen zählt hierzu hingegen nicht. Vielmehr erschrecken die Ergebnisse der Gallup Studie jedes Jahr aufs Neue. Denn die zeigen, dass nur rund 15% aller Befragten eine hohe emotionale Bindung zum Betrieb haben. Konkret heisst das, dass sich diejenige Gruppe auch langfristig im Betrieb sieht, dort Karriere macht und den Betrieb sowie seine Produkte und Leistungen an Freunde und Familie empfehlen würde. Entscheidend für eine klare Führungshaltung ist die Aussage, dass über die Hälfte dieser kleinen 15%-Gruppe ihre Vorgesetzten als Menschen erlebt, die sie zu «hervorragender Arbeit» motiviert.


Dieser Motivationsfaktor, der durch Führung entsteht, ist bei der überwiegenden Menge an Befragten auf 20% gesunken. Diese Gruppe, immerhin 70% der Gesamtbefragten, gibt eine geringe Bindung zum Betrieb an. Da ist es nicht verwunderlich, dass bei den restlichen, sich nicht gebunden fühlenden 15% der Gesamtbefragten nur noch 3% angeben, dass Führung sie motiviert.


Führung sorgt dafür, dass das Gefühl von Bindung entsteht. Ja, es ist ein Gefühl, ein fragiles sogar. Ist das für Mitarbeitende erlebbar, fühlen sie sich persönlich wie beruflich wertgeschätzt und anerkannt. Dies wiederum motiviert dazu, Leistung zu zeigen. Und die Studie sagt noch mehr: Mitarbeitende zeigen zudem Commitment, was deutlich über den Einsatz «from nine to five» hinaus geht und jene Betriebe erfolgreich und zukunftsrelevant macht, die dies erreichen. Und erreicht wird all das in einem Kontext einer sicheren Umgebung, in denen es Räume für Kreativität ebenso gibt wie klare Regeln für Jedermann, in denen Fehler angesprochen und als Lernfeld erlebt werden, in denen bei wichtigen Entscheiden immer auch die Personen einbezogen werden, die es umsetzen müssen – nämlich die Mitarbeitenden. In diesen Betrieben wird eine Umgebung geschaffen, in denen Leitbilder nicht verstauben, sondern von Führung gelebt werden, in denen Wert auf Verstehen anstatt auf Bewertung gelegt wird. In denen der Kapitän die Namen der Mannschaft kennt und sie immer wieder auf die Brücke holt, um im gleichen Zug zu ihnen in den Maschinenraum zu gehen und dort von ihnen zu lernen.




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